Ballungsraum Regensburg – vom Versuchslabor zum Roboterstau?!

In der Reihe ’seltene Blüten des Kommunalwahlkampfes‘ äußern sich Kommunalpolitiker zur Lösung der Regensburger Verkehrsprobleme, in dem sie die ‚antike und antiquierte‘ Reaktivierung von innerstädtischen Schienenstrecken unbedingt durch eine zukunftsgerichtete ‚autonom fahrende Stadt‘ ersetzen wollen, die in ‚2-3 Jahren serienreif sei, wie man in China sehen könne‘.

Zunächst klingt das recht vielversprechend, gibt es doch autonome Busprobebetriebe in Bad Birnbach, selbstfahrende Traktoren, autonom fahrende U- und Straßenbahnen.

Der Teufel steckt aber in drei Details:

  1. Diese vollautonomen städtischen Verkehrs-Systeme gibt es bisher in Europa nicht, es gibt keinerlei Erfahrung ob und wie diese funktionieren
  2. Der Regensburger PKW-Fahrer müsste entmündigt werden, die Beherrschung seines Fahrzeugs muss zu 100% an eine künstliche Intelligenz übergeben werden, mit den damit verbundenen Haftungsfragen und STVO-Regeländerungen
  3. Die Problematik des Staus erzeugt im Wesentlichen durch 80.000 Einpendler ist damit überhaupt nicht gelöst.

So sinnvoll es ist, sich an modernen Entwicklungen zu beteiligen, so wenig sinnig ist es mit einem Ballungsraum von 350.000 Menschen Tests und Versuche durchzuführen, die wenn sie nicht gelingen, das Leben massiv erschweren, abgesehen von der Entmündigung der gern selbst PKW-fahrenden Deutschen.

Natürlich herrscht in China ein anderes Gesellschaftssystem mit einem anderen Freiheits- und Individualitätsverständniss. Bürgern dort in China bestimmte Verhaltensweisen zu diktieren ist sicher einfacher als in einem bayerischen Ballungszentrum.

An Studien teilzunehmen und in Vergleichsprojekten als Speerspitze neuer Entwicklungen mit dabei zu sein ist ein lobenswerter und unterstützenswerter Ansatz.

Die Bürger als Testkaninchen bei der dringend erforderlichen Lösung von stetig wachsenden Verkehrsproblemen in Verhaltensweisen zu zwingen ist dagegen das Gegenteil einer freiheitlichen Gesellschaft!

Ein Zwischenlösung als Mischung von „Roboter“- und „Individualverkehren“ kann nicht funktionieren, der irrational handelnde einzelne PKW-Fahrer wird unberechenbar im Verkehr agieren, so daß man es anschließend mit einem „Roboterstau“ in der Stadt zu tun hat.

Fazit: Der Verweis auf die autonomen Verkehre, die in China schon sehr weit sind, kann bestenfalls eine Nebelkerze sein! Es kann sich nur um ein weiteres Aussitzen und Vertagen der Lösung handeln.

 

Lab_bench

Von Magnus ManskeEigenes Werk, CC BY 1.0, Link

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