Bündnis für höherwertigen ÖPNV -Stellungnahme

von Professor Walter Weber

In der MZ vom 15./16.2. wird wieder die Frage nach dem Sinn einer Stadtbahn für Regensburg aufgeworfen.

Als Koordinator von „BÜNDNIS FÜR EINEN HOCHWERTIGEN ÖPNV IM RAUM REGENSBURG“ möchte ich dazu folgendes feststellen:

Der Stadtrat hat im Juni 2018 mit 50:1 Stimmen den Bau einer Stadtbahn beschlossen. Dieser Entscheidung ging eine rege Diskussion des Vorhabens in der Bürgerschaft, mit vielen Veranstaltungen zum Thema, voraus und es lag ihr ein Fachgutachten des auf diesem Gebiet international erfahrenen Planungskonsortiums „Komobile“ zu Grunde. Nach sachlichem Vergleich möglicher Systeme, sowie gewissenhafter Abwägung aller Kriterien, empfahlen die Experten die Einführung einer schienengebundenen Stadtbahn.

Es waren folgende Aspekte die für diese Lösung sprechen:

 

Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit:

Eine sechsteilige Stadtbahn kann soviele Fahrgäste befördern wie 5 Doppelgelenkbusse. Ein Fahrer in der Stadtbahn kann folglich 5 Fahrer in Gelenkbussen ersetzen. Mit Oberleitungsbussen und BRT-Bussen ist eine Koppelung nur sehr bedingt möglich. Auch deshalb sind sie im Betrieb weniger wirtschaftlich.

Stadtbahnen haben eine deutlich längere Lebensdauer als Busse, was in der Bilanz sich positiv niederschlägt.

Umweltfreundlichkeit:

Die elektrisch betriebene Stadtbahn ist frei von Schadstoffausstoß. Dieselbusse dagegen belasten mit ihren Abgasen die Umwelt. In sensiblen (altstadtnahen) Abschnitten kann die Stadtbahn batteriebetrieben, ohne Oberleitung, fahren. Im Aussenbereich können, auf eigener Trasse, Rasengleise angelegt werden. Ein Beitrag für Umwelt und Stadtklima. O-Busse benötigen auch hier eine versiegelte Fahrbahn und verschärfen so die Erderwärmung zusätzlich.

Akzeptanz und Fahrkomfort:

Auf Grund des hohen Fahrkomforts genießen Stadtbahnen bei den Bürgern große Wertschätzung. Das hebt sie positiv ab vom unruhigen Fahrverhalten des Busse. Wie von anderer Seite bereits erwähnt hat die Stadt Innsbruck, aus eben diesem Grund, von O-Bussen wieder auf Strassenbahn umgestellt. Die französische Stadt Caen hat ihr neues O-Bussystem, aus dem gleichen Grund, abgebaut und eine Stadtbahn eingerichtet. In der Stadt Salzburg sind bei den O-Bussen die Fahrgastzahlen seit längerem rückläufig. (da käme es einem Schildbürgerstreich gleich, wenn bei uns diese wenig erfolgreiche Technik wider besseres Wissen eingeführt würde!)

Mobilitätsstrategie:

Durch die ausserordentliche Beliebtheit der Stadtbahnen, und die denkbar geringe Taktung (alle 5 Minuten eine Bahn!) sind Bürger bereit ihr Auto stehen zu lassen und auf die Bahn umzusteigen. So werden Strassen und Umwelt entlastet.

Lebensqualität, Gesundheit und Lebenserwartung:

Mobilität auf hohem Niveau verbessert die Lebensqualität. Der abgasfreie Betrieb von Stadtbahnen wirkt sich positiv auf Gesundheit  und Lebensdauer der Menschen aus. Im Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die Stadtbahn können das Erscheinungsbild und die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums eine deutliche Verbesserung erfahren.

Finanzierung und Förderfähigkeit:

Förderung durch Bund und Land ist unverzichtbare Voraussetzung für die Realisierung der Regensburger Stadtbahn. Die Förderfähigkeit des Vorhabens ist gegeben. Die neuen erhöhten Fördermittel sollen aber nur für schienengebundene Systeme vorgesehen sein.

Zukunftsfähigkeit:

Stadtplanung und Stadtentwicklung müssen Zukunftsperspsktiven aufzeigen. Langfristig gesehen ist die Stadtbahn in Verbindung mit dem Netz der DB die tragfähigste und nachhaltigste Maßnahme zur Lösung der Verkehrsprobleme in Regensburg und Umland.

Angesichts des positiven Gesamtbefundes fragt man sich schon was OB-Bewerber bewegt, den eindeutigen Beschluß für eine Stadtbahn vom Juni 2018 wieder in Frage zu stellen. Der Eine erklärt, daß er im Oberbürgermeisteramt als erstes die Entscheidung pro schienengebundene Stadtbahn rückgängig machen würde.

Der Andere tut Kund, daß er noch nie Freund einer Stadtbahn war, um im gleichen Atemzug lavierend zu versichern, daß er sich an der Debatte aber weiter nicht beteiligen wolle. Einige wollen sich plötzlich nicht mehr auf eine schienengebundene Lösung festlegen, obwohl sie mit ihren Parteien noch vor eineinhalb Jahren für eben eine solche gestimmt haben.

Wenn unsere Stadt in Zukunft bestehen will, darf die wohlbegründete Entscheidung für eine schienengebundene Stadtbahn nicht angetastet werden. Das Projekt muß als Zukunftsinvestition begriffen und als integraler Bestandteil der Zukunftsfähigkeit unsrer Stadt verwirklicht werden. werden. Wahltaktische Spielchen dürfen bei diesem Schlüsselvorhaben für eine gedeihliche Entwicklung unserer Stadt nicht Raum greifen.

 

Prof.Dipl.Ing.Walter Weber

Koordinator von „BÜNDNIS FÜR EINEN HOCHWERTIGEN ÖPNV IM RAUM REGENSBURG“

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